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Im Nachtrag zum Vortrag der Seenotrettung finden Sie hier noch einen Artikel unseres Mitgliedes Karl-Heinz Kaiser

SY ANITA - Glück und Leid

DGzRS -„Youtube“-Video verkürzt im Netz:

“SEENOTRETTER – SEENOTFALL“ – „ANITA – im Orkan“

In diesem Bericht/Recherche habe ich den Hergang des Notfalls vom 2. Oktober 1997, das Verhalten des Skippers, der Yachtcrew, auch die Kommunikation von/mit den Seenotrettern und der 12 mR-Yacht ANITA G 2 recherchiert und partiell hier dokumentiert und festgehalten. Die genannten Crew Mitglieder haben den zitierten Aussagen für diesen Bericht zugestimmt; die Zentrale der DGzRS (Bremen) hat die betreffenden Daten/Aussagen überprüft und freigegeben. Dem Vormann, Claus Pichlo und dem Bootsmann Wilfried Laing danke ich für die offenen Gespräche und der Erlaubnis, diese, auszugsweise, zu publizieren.

Mayday – Mayday – Mayday
This is Sailing Yacht ANITA
Sailing Yacht ANITA
Sailing Yacht ANITA
Delta Juliett Whiskey Bravo ……

Welcher Skipper hat dies nicht schon in Gedanken durchgespielt, wenn der Starkwind zum Sturm anschwillt und die See immer steiler wird. Wo ist die DISTRESS-Taste, wie finde ich sie in der Dunkelheit? Wie und was muss ich melden? Wird unser Notruf gehört? Notsignale werden abgeschossen.
Mehrere Fischerboote in der Nähe haben den Notruf empfangen. Das Boot „UK 38“ leitet ihn an die DGzRS-Station-Helgoland weiter. „UK 38“ bleibt bei ANITA, bis der SAR-Sea King-Heli eintrifft, der sofort nach dem „MAYDAY“ von Helgoland aufgestiegen ist und schon 28 Minuten später über der Yacht kreist.
Dies ist der erste Mayday-Notruf im Jahr 1997 im bisher langen Leben der ANITA, Unterscheidungszeichen: DJWB, Segelzeichen: 12 G 2.

  1. Oktober 1997, 11:45 Uhr: Ein Sturm, der zum Orkan anschwillt. ANITA auf dem Törn von Schottland nach Helgoland. Eine lange Nacht. In das Heulen des Windes mischt sich das Schlagen der Wellen. Wir drehen bei und lassen uns mit 4 Knoten treiben. Langsam gewöhnen wir uns an das Wellenschlagen, die meisten schlafen noch. Der Wind wird stärker, jetzt mit 7 bis 8 Beaufort (Bft). Wellenberge weiß von Gischt und Schaum schlagen gegen Rumpf und Rigg und oft über das ganze Deck. Die See wird steiler und immer steiler, inzwischen 9 Bft. Aber wie lange können wir noch Kurs halten oder sollen wir beidrehen, uns treiben lassen? Das Brüllen der herandonnernden Brecher, stundenlang – jetzt 10 - 11 Beaufort. Die Gischt erreicht schon den Besan, der Rudergänger wird mit Salzwasser geduscht.


Angurten mit Lifebelt: ja, Rettungswesten an: ja oder nein?? - Sturmfock runter?? – vor Top & Takel?? 1/6
Wenn wir uns nur treiben lassen, könnte uns Wind und Strömung bis nach Sylt, Römö oder auf eine der anderen Friesischen Insel treiben. Entscheidung: Ende des Beidrehens, die backstehende Fock über; Kurs Helgoland liegt an. „Stundenlanges Achterbahnfahren mit wilden Ritten wie beim Rodeo“, so Klaus M., der über Stunden am Ruder saß. Jetzt 11 bis 12 Beaufort. Noch 60 sm NW vor Helgoland. ANITA ist jetzt über dem bekannten Festlandssockel, dem „Entenschnabel“, westlich vom dänischen Esbjerg.
Hier geschah es:
Eine Monster-Welle von Achtern, eine Grundsee von 15 Meter hebt die ANITA mit voller Wucht auf den Wellenkamm, sie kippt vornüber, schießt hinab ins Wellental.
ANITA bohrt sich mit dem Bug tief ins Wasser und schlägt quer, Mast / Rigg unter Wasser.
Die 21 Meter Yacht wird mit der Backbordseite über lange 30 Sekunden, ca. 10 Grad tief, unter Wasser gedrückt. Hauptmast mit Sturmsegel und Besanmast sind komplett unter Wasser, Ruder reagiert nicht mehr, Doghouse zum Teil weggerissen, eine 3 cm solide Mahagoni-Seitenwand fehlt.
Durch die Gewalt des Wassers werden Wassermassen durch den weggebrochenen Deckel der Achterlast und durch Skylights ins Innere geflutet. Ungläubige Gesichter – Schockstarre, der „fast reinen“ Männercrew (10) mit 2 Frauen an Bord.
Aber, ANITA richtet sich wieder auf. Mast und Sturmsegel o.k. – das stehende Gut scheint zu halten…
Unter Deck:
Alles, was auf Stb. festgezurrt war hat sich losgerissen, als ANITA waagerecht im Nordseewasser lag, ist jetzt auf BB. eingeschlagen. Ein irres Wuling, überall Chaos im Schiff. Bücher-Essen-Kleidung-Ölzeug, die WC-Tür hat sich ausgehängt und landete zwischen Pantry, Messe und Crew. Selbst die Seenotmunitionskiste, die im oberen Schapp lag, fliegt durchs Schiff, bleibt zum Glück geschlossen. Die Bodenbretter sind hochgeschlagen, treffen die Crew irgendwo auf BB-Seite. Seekarten und Hafenbücher sind durch die Messe und Mittelschiff „gesegelt“; ANITA’s „Plattlegen“ hat selbst den Skipper, der seiner Koje schlief, wachgerüttelt; Karten und Bücher haben ihn dann noch komplett zugedeckt. Die Crew von der StB-Seite hat es auf die andere Seite geworfen. Inzwischen ist viel Wasser in der Bilge.
Manfred E., der Skipper, sendet sofort MAYDAY-MAYDAY…. da nicht klar ist, woher der Wassereinbruch kommt. Hat der Kaventsmann die Außenplanken zerschlagen? Sind Luken zerbrochen, Ruder abgerissen. ANITA in NOT.
Auch die nächsten Brecher decken die ANITA wieder ganz ein. Wird diesmal wieder eine Sturzsee über das Heck hereinbrechen?
Erster Check: Keine akut lebensbedrohlichen Verletzungen! Keiner Außenbords gespült? Jedoch offene blutende Kopfwunden durch überstehende Bolzen und die fliegende WC-Türe. Verstauchungen der Wirbelsäule, mehrere Rippenbrüche, Schmerzhafte Quetschungen und unzählige blaue Flecken. Zum Glück keine offenen Brüche!
Absolute Stille – Schockstarre. Wäre ANITA in der hier nur 20 bis 25 Meter tiefen Nordsee durchgekentert, es wäre sicherlich ihr Ende gewesen.
Bei dieser geringen Tiefe wäre der Großmast oder der Besan sicherlich durch die Grundberührung gebrochen oder hätte das Deck aufgerissen - ANITA wäre nicht mehr manövrierfähig gewesen, ein Spielball der Wellen und es Orkans!
Zum Glück war ein Arzt mit an Bord, unser Volker. Er übernimmt die
Erstversorgung und stimmt sich immer wieder mit dem SAR-Sea King-Helikopter ab. „Die Funkkommunikation mit dem Skipper selbst war zeitweise schwer 2/6
verständlich - bei dieser Notlage erleben wir das öfters - aber der Funk mit dem Arzt war immer klar und zielorientiert.“ (lt. Vormann des Seenotretters und der SAR-Piloten).
Und ANITA?
Buganker mit Halterung aus 10-mm-Augbolzen ausgerissen und über Bord – zum Glück nicht übers Deck oder aufs Kartenhaus/Doghouse geschlittert oder auf die zwei Rudergänger geknallt. Wer hat die solide Seitenwand vom Ruderhaus herausgeschlagen, war es die Monster-Welle oder der Anker?
Die Kiste mit den Gasflaschen und sogar die besonders gesicherte Rettungsinsel sind einfach aus dem Bolzen herausgerissen und über Bord gespült worden, verloren. Reling, Bug und Heckkorb stark verbogen. Ankerwinsch verschoben und stark beschädigt. Skylight eingedrückt. Teile des Fensterrahmens fehlen (waren mal aus dickem massivem Mahagoni), die Bilge läuft immer mehr voll. Besanmast mit Stauchbrüchen, Saling abgebrochen. Die nächsten Brecher rauschen heran, danach steht das Cockpit wieder unter Wasser. Sturmfock wieder unter Druck und hält. Bleibt der Mast in der Verkeilung? Halten die Püttings?
Als der Sprit zur Neige geht, wird SAR-Heli-2 zur Ablösung angefordert. Der trifft bei der ANITA ein und bleibt dort so lang, bis der Seenotrettungskreuzer, die „WILHELM KAISEN“ eintrifft und die mögliche Bergung geklärt ist. “WILHELM KAISEN“, ein „SRK“- Schiff der damaligen 44 Meter Klasse, hat beim „MAYDAY“ sofort in Helgoland abgelegt. Bei 11-12 Beaufort, 10 bis 15m Wellen, mit seinen 3 Dieselmotoren, über 7.000 PS - max. 30 kn, aber nicht beim Orkan und diesen Wellenbergen. Hier aber: über 6 Stunden, „bolzen“ immer gegen an.
Der Vormann, Claus Pichlo, legt „den Hebel auf den Tisch“ - Volle Fahrt voraus“.
Er kennt die Zwölfer, er kennt auch ANITA, er ist ein Bewunderer der „Alten Klassiker“ – eine 12 mR-Yacht ohne Maschine.
„Unser Rettungskreuzer schlingerte in der wilden See, da galt es sich immer richtig festzuhalten, besonders, wenn die „WILHELM KAISEN“ wieder in ein
besonders tiefes Wellental eintauchte und dann nach oben schoss – aber so was waren wir ja gewohnt.“ (Wilfried Laing, Bootsmann und Videofilmer).
Auch bei den Seenotrettern kommt der Ritt durch den Sturm mehr einem Rodeo-Ritt als einer Achterbahnfahrt gleich. Die „WILHELM KAISEN“ durchpflügt die 57 Seemeilen zur ANITA und der gefährdeten Crew.
Volker, unser Arzt, überlegt mit den Rettern, ob die Verletzten mit dem Heli oder dem Rettungskreuzer abgeborgen werden sollen. Abbergen, aber wie? Die verletzten Frauen in die „kochende See“ - mit Gehirnerschütterung, verletzter Wirbelsäule (Stauchung der Wirbelsäule), gebrochenen Rippen – um dann aufgefischt und an Bord gehievt zu werden?
Oder - bei der Yacht jetzt die Masten kappen, um die Rettungs -Trage des Heli aufs Deck zu bringen? Geht auch nicht, eine Bergung bei der „tanzenden“ ANITA, wäre zu unsicher. Die Panik hätte sich verstärkt. Ohne Masten, es hätte möglicher weise das Ende der ANITA bedeutet.
Entscheidung:
„Jetzt noch nicht Abbergen - Bergung, nur wenn absolut notwendig“.
So weit wie möglich die Verletzten ruhig lagern, wg. der Gehirnerschütterung und der immer stärker werdenden Panik. „So weit wie möglich“, hört sich in nachhinein gut an, aber das bei der rollenden und schlingernden ANITA.
Das Krankenhaus in Helgoland wird verständigt…….
Dass es gerade die „WILHELM KAISEN“ war, die zur Rettung der ANITA auslief, bildet eine ideelle Brücke zur Historie der Zwölfer. Das Schwesterschiff ist der Seenotrettungskreuzer „JOHN T. ESSBERGER“ - auch ein Kreuzer der 44m Klasse. Die Kenner der Zwölfer wissen, dass der Hamburger John T. Essberger, 3/6
der Eigner der 12 mR-Yacht INGA G 1, war. John T. Essberger war 1936 ein enger Freund von Walter Rau, dem Eigner der ANITA G2.

Nachdem die Crew festgestellt hatte, dass die Wassermassen nur über den herausgerissenen Lukendeckel und durch die eingedrückte Skyligths
eingebrochen sind und über die Achterlast und Bilge das schottenlose Schiff geflutet haben. Die „Mannschaft unter Deck“ und die „Unverletzten“ müssen an die Pumpen.
(Der Notruf wird dann später vom Skipper, Manfred E., zurückgenommen).
Die Elektrizität mit Generator war ausgefallen (Kurzschluss, Wasser im Sicherungskasten und Steckdosen). Jedoch blieb die Batterie für Funk in der Halterung und stand nicht unter Wasser.
Ein Teil der Crew hatte den ersten Schock überwunden, einige scheinen aber weiterhin wie paralysiert zu sein. Nur 2 Mann der Besatzung wollen zunächst an die Pumpen. Sie pumpen bis zur Erschöpfung. 2 Männer, darunter Volker, pumpen und pumpen per Hand und drücken so das Wasser aus der Bilge. Der Rest der Crew schaut lange Zeit wie apathisch zu, emotionale Betäubung? Einige wähnen sich schon am Grund der Nordsee, sie hielten ihren Personalausweis fest in der Hand und hatten teilweise selbst die Rettungsweste abgelegt?! Stille Panik! Hoffnungslosigkeit! (so Volker).
Hier sorgten die aufmunternden Funksprüche von Claus und Wilfried für Beruhigung und Zuversicht: „Wir sehen, Euer Mast und die Fock stehen gut – Egal was passiert, wir können Euch ALLE sicher zu uns an Bord und nach Helgoland bringen. Wir Seenotretter kennen uns auch bei solch einer See gut aus“.
Den Seenotretter immer neben und den SAR-Heli über sich zu haben, hat der Crew wieder Leben und Mut eingehaucht – die Funksprüche haben ihr wieder Zuversicht gegeben.

Klaus, der 1. ANITA-Rudergänger, empfindet noch heute den Ritt auf den Wellen „Wie auf einer nie endenden Achterbahn, die durchlaufenden Seen haben unsere Yacht immer achtern angehoben, ich konnte das Schiff im Sturm dennoch steuern…. - bis der „Kaventsmann“ kam. Da wurde ANITA „endloslang“ angehoben, wir kippten nach vorne, mein Ruder ging ins Leere, dann ging es senkrecht runter – ich wollte ANITA noch schräg ablaufen lassen – aber immer noch kein Ruderdruck - dann stand ich fast senkrecht im Handstand, klammerte mich fest ans Ruder, ANITA schoss mit dem Bug voran runter, die Welle überholte uns, wir klatschten ins Tal, wurden unter Wasser gedrückt, platt auf die Backbordseite - Sturmfock, Mast und Besan, alles unter Wasser, auch ich. Mit der Sitzbank wurde ich zuerst aus dem
Cockpit gespült, nach oben gerissen, knallte mit dem Rücken an die Wanten des Besanmastes. Ich dachte, auch bei mir ist was gebrochen, fühlte aber noch keinen Schmerz“. „Als die Riesenwelle über mir zusammenbrach, war ich nur mit dem Lifebelt gesichert. Damals gab’s keine Rettungsweste zusammen mit dem Lifebelt. Zum Glück hatte ich mir keine Rettungsweste angezogen, leichtsinnig“?
„Heute gehe ich davon aus, dass ich dadurch nicht über Bord gespült worden bin“. „Durch den Auftrieb der Festweste hätte ich den festen Halt an den Wanten des Besans in meinem Rücken verloren und der Lifebelt allein hätte mich sicherlich nicht mehr halten können. Durch den zusätzlichen Auftrieb und die Wucht des Wassers wäre das Auge, an dem ich mich eingepickt hatte, sicherlich herausgerissen worden - so wie selbst die Rettungsinsel aus den Verankerungen gerissen wurde“.
„Lange Zeit stand ich am Ruder und hoffte, dass ich endlich abgelöst werden würde oder sich mal ein Kopf am Niedergang zeigen würde“. „Wann kommt 4/6
die nächste Wache nach oben?“ “Nach 1 Stunde fanden sich 2 freiwillige Rudergänger, die uns endlich ablösten“.
Die Gewalt der Riesenwelle hatte nicht nur die Reling stützen verbogen, beim Klaus auch alle Gläser seiner Brille rausgedrückt…..

Claus, der Vormann, hat sich in seiner beruhigenden Stimme zunächst mit dem Skipper, dann nur noch mit Volker abgestimmt und entschieden:
ANITA jetzt noch nicht auf den Haken oder Trosse zu nehmen; „Gefahr des Herausreißens zu groß“.
Die „WILHELM KAISEN“ bleibt daher bis Helgoland als „Begleitschutz“, „Wellenbrecher“ und „Windschutzgeber“ und auch als „Zuversicht-Garanten“, auf Luv. Immer bereit einzugreifen, wenn doch plötzlich mehr Wasser von unten kommt oder Verbände sich lösen.
Fazit:
Hochachtung den Seenotrettern, dem Vormann, Claus Pichlo, mit seiner Crew und dem Team der SAR-Helikopter.

Achtung auch der ANITA - Crew, den Rudergängern, dem besonnen Arzt und Respekt vor dem Schiff selbst, das diesmal richtig leiden musste. Die Verbände aus Stahl und Tabasco-Mahagoni haben gehalten, Dank an Henry Rasmussen und seiner A&R-Werft!

Nicht zu vergessen die Mannschaft des Fischerbootes - „UK 38“ - das die ANITA nach dem Notruf so lange „begleitet“ hatte, bis die „SAR-Sea King“ in Sichtweite war.
„Begleitung“ bei tosender See, fliegender Gischt und brechenden Wellenkämmen, Hochachtung! Auch sie wären bereit gewesen, im Notfall zu helfen.
Ein „Dankeschön“ „Many thanks…“ konnte nur über Funk an die Fischer und der „SAR-Sea King“ abgesetzt werden.
Glück für die Crew, ja - keiner über Bord gespült -
Blessuren und Wunden heilen, Rippen wachsen wieder zusammen…..

Beeindruckend sind die Videos: „ANITA im Orkan“ „Seenotfall ANITA“.
Der Seenotretter, Wilfried Laing, hat auf der “WILHELM KAISEN“ ein seltenes Video, gefilmt, direkt vom Bord eines Rettungskreuzers und von einem Bootsmann (nicht von einer professionellen Filmcrew). Die 40 Minuten kürzte die DGzRS-Zentrale auf 5 Minuten und erteilt ihre Freigabe.
„Meine Aufnahmen zeigen die ANITA im schon etwas abflauenden Sturm, da waren die Wellen schon 3 bis 4 Meter kleiner und auf unserer Anzeige sahen wir dann „nur“ noch 10 Beaufort. Man kann gut die immer wieder querlaufende Yacht sehen, die dann manchmal ganz im Wellental verschwindet. Beim Auslaufen aus Helgoland waren es über Stunden bis zu 11 bis 12 Bft, mit den riesigen Wellentälern“.

Bordbuch der „WILHELM KAISEN“: ANITA um 22:15 Uhr, 2.X.1997, vor Helgoland. (Davor muss noch das Hummerschutzgebiet umfahren werden und das bei diesem Seegang - jedoch bestand ja für den Zwölfer keine unmittelbare Notlage mehr!
„Vorschrift ist halt Vorschrift, auch für die Seenotretter“. Dieses Gebiet darf auch von dem großen Seenotrettungskreuzer nicht immer durchfahren werden!)
Im Lee der Insel „HELENE KAISEN“, (das Tochterboot, 8,50 Meter, 240 PS, max.13 kn, von der „WILHELM KAISEN“ ins Wasser) abgelassen, Leine zur ANITA geworfen, Yacht bis an die Pier des Schutzhafens in Helgoland bugsiert, festgemacht - 10 Stunden „Begleitung“. 5/6

Im sicheren Hafen! Die Verletzten werden ins Krankenhaus gebracht und dort versorgt. Und die Crew? Einige wenige hetzten auf und davon, nur weg von der Yacht, rüber zum Flughafen und weg von Helgoland – nach Hause.
Im Krankenhaus spürte Klaus jetzt seine Rippenprellungen, die er darauf zurückführt, dass der Lifebelt seinen Brustkorb so richtig zusammengequetscht hat, so stark war der Druck und die Spannung der Gurte beim „Rodeo“.
„Bis zum Hafen hatte ich noch genügend Adrenalinausschüttungen – kein Schmerzgefühl in all den Stunden bis Helgoland, aber dann im Hafen kams Dicke…und noch wochenlang danach Schmerzen im Brustkorb“.
Die restliche Crew „klönte“ mit den Helgoländern, den DGzRS-Bootsmännern und genossen es, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben…
Die Wirtin einer Kneipe umsorgt die Crew mit Hilfe, dort wo es notwendig ist.
Im Hafen diskutierten wir: „Langkiel besser als moderner Kurzkiel, bei 10 bis 12 Bft? Welche Sturmfock, war die, die wir fuhren zu klein; oder besser vor Topp und Takel?... ..“ „Vielleicht noch den Besan dazu setzen und eine größere Sturmfock? Die Wellen überholten uns ja dauernd“. „Der Freibord der Yacht war zu gering bei dieser See und oft langsamer als die See, damit schwer zu steuern“.
Stürme von 9-10 Bft sind von erfahrenen und umsichtigen Skippern mit guter Crew und guten Schiff meist ohne große Probleme zu meistern.
In ihrem langen Leben haben ANITA samt seiner Crews schon zahlreiche Stürme erlebt und gut überstanden. Jedoch die Heftigkeit und Dauer dieses Helgolands-Orkans mit den Riesenbrecher, den Monsterwellen, dem Kaventsmann von achtern, hat die Yacht und die Mannschaft ans Limit gebracht.
Historie lt. ANITA Logbuch:
1977: brach sich ein Segler 2 Rippen im Sturm. 1984: „schwere Bedingungen“ auf See, 1989: „Superorkan - ANITA muss zurück“. 1992 Stürme vor den Bermudas: „bei schwerem Wetter musste lange beigedreht werden - Ruder festgeklemmt“.

  1. 09.1992: „Mastbruch, bei 3-4 Beaufort, 3 m Wellen, vor Aberdeen, die RNLB -SAR-Boote (Royal National Life Boat) schleppen uns aus hoher See in den Hafen von Aberdeen“. Eine Folge der zu rauen Bedingungen, „Touch downs“ in der Eisberggrenze auf dem langen Kettentörn: Travemünde-Azoren-New York-Halifax-Grönland-Nuuk-Tórshavn/Färöer! (eigener Bericht „ANITA Mastbruch auf Stb“). Trotz bester Bootsmannskunst ist die ANITA nicht auf Dauer für lange Blauwasser-Törns mit Stürmen bis zu 10 – 11 Beaufort konstruiert, noch dafür restauriert worden.


Der neuen Eigner, seit 2009, „Freunde der SY ANITA e.V.“ fokussieren ihre Regatten auf Ostsee und Kettentörns auf Nord - und Ostsee.
Es wird berichtet, dass weltweit ca. 13 Yachten der 12 mR Klasse in Stürmen oder Orkanen auf hoher See geblieben oder verschollen sind; jedoch keine der zehn solid gebauten 12m R-Yachten, die auf der A&R Werft gebaut wurden!
„Bei Stürmen muss ein Vertrauen zum Skipper, zur gesamten Crew und ein Grundvertrauen in das Boot da sein. Ein solid gebautes Boot „muss das abkönnen“. In Notlagen schweißt sich idealerweise eine Crew mit seinem Skipper zu einem Team zusammen. So habe ich es mehrfach erlebt. Nach dem „Mastbruch mit ANITA vor Aberdeen“ hat unser Skipper Peter E. die ganze „Mastbrecher-Crew“, ein Jahr später – nach dem Aufbau und Setzen eines neuen Mastes - zu einem extra Törn eingeladen. Von Kiel in die dänische Südsee „Rund Fünen“. Alle sind wieder gekommen, ein toller Wochentörn: „happy sailing“!

Karl-Heinz Kaiser –

 

Liebe Mitglieder und Freunde des WYC,

wir laden Sie recht herzlich zu unserem ersten Salzwasserstammtisch des Jahres 2023 ein.

Dieser findet am Mittwoch, den 25.01.2023 um 19:00 Uhr im Clubhaus in Seemoos statt.

Schiffbrüchige aus Seenot retten, Menschen aus Gefahren befreien, Verletzte und Kranke versorgen: Die Seenotrettung ist klar zum Einsatz – rund um die Uhr und bei jedem Wetter. Seit Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger im Jahr 1865 haben die Seenotretter rund 86.000 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahr befreit – freiwillig, unabhängig und spendenfinanziert. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter Ulli Kowald und Günter Eichmann berichten von den Aufgaben, Einsätzen und weiterem Wissenswerten und zeigen dazu beeindruckende Filme. Siehe auch beigefügter Anhang.

Die Gastronomie ist ab 18:00 Uhr geöffnet.

SAVE THE DATE – nächster Salzwasserstammtisch 2023:

  1. 02.2023 - nach Aushang und Internet

Wir freuen uns auf Ihr Kommen und wünschen Ihnen heute schon einen spannenden, unterhaltsamen Abend.

Mit freundlichen Grüßen

Thorsten Riemer

Vorstand Veranstaltungen

E-Mail: wyc@wyc-fn.de · Clubbüro Seemoos +49 (0)7541 / 40288-0